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Heimweh

Wer mag jetzt durch unsere Straßen gehen,
Zu Haus, wenn die Sonne scheint?
Wenn die bunten Blätter im Wind verwehn,
Wenn leise der Regen weint?

Wer läuft durch den Wald? Wer träumt jetzt am See?
Wie oft lachte dort das Glück!
Die Fremde ist kalt. Das Herz tut mir weh,
Denk ich an die Heimat zurück.

An die Heimat, die all mein Glück mir gab,
In der meine Kinder gelacht.
Nun liegen sie lange im fernen Grab
Und haben mich einsam gemacht.

Möchte über die Stadt in die Ferne sehn,
Die langsam im Westen verblaut,
Am Fenster im dämmrigen Zimmer stehn,
Wo alles so nah und vertraut.

Möchte einmal noch lauschen zur Weihnachtszeit
Dem Glockenspiel von der Höh.
O Heimat, o Liebe, wie liegst du so weit!
Das Herz tut so weh mir, so weh.

Traute Speer



"Der Autor Dr. Friedrich Günther, 1883 in Nordhausen im Harz geboren, in Schweidnitz/Schlesien aufgewachsen, studierte in Berlin, Tübingen und Breslau Germanistik, Anglistik, Philosophie und Theologie.

Ab 1919 unterrichtet er in seiner Wahlheimat Ostpreußen an der Coppernicus-Oberrealschule in Allenstein. Seine Freizeit widmete er neben seiner schriftstellerischen Arbeit dem kulturellen Leben der Stadt

Nach Flucht und Flüchtlingslager in Dänemark lebte er in Tübingen, wo er 1958 starb."

in: Günther, Friedrich: Die Ellipse. Stuttgart: Verlag Traute Rothbart. 1986. S. 5


"In Nordhausen geboren, hat Dr. Friedrich Günther seit 1919 hier seine eigentliche Heimat gefunden. An schriftstellerischen Erzeugnissen brachte er außer einer preisgekrönten Arbeit über "Schlesische Volksliedforschung" und zahlreichen Aufsätzen und Kritiken nur seine "Liebeslieder eines Narren" und einige Märchen mit.

Er begann seine Tätigkeit an der Oberrealschule, steckte die Dichterei in die Schublade und stürzte sich in die Grenzlandarbeit, wie er noch heute jede tätige Kulturarbeit für wesentlich wichtiger hält als zeitverschwendende Schriftstellerei. Er übernahm während der Abstimmungszeit die Geschäftsführung der Deutschen Volkspartei im Abstimmungsgebiet, wurde, der Wandervogel konnte sich nicht verleugnen, stellvertretender, später geschäftsführender Leiter des Jugendherbergsgaues Allenstein-Marienwerder und der Ortsgruppe Allenstein, gründete die zweite Volksbücherei in Allenstein, einen Madrigalchor und zur Förderung guter Schauspielkunst die Gesellschaft für Theaterkultur. Daneben blieb für die Dichtung wenig Zeit übrig, und es entstanden neben vieler Pressearbeit nur drei Novellen, zwei Dramen und das Tannenbergfestspiel.

Erst, als er seine öffentliche Tätigkeit einschränkte, fand er Muße für künstlerisches Schaffen, fing Allenstein und Ostpreußen im Lichtbild ein, setzte die Musik für das Glockenspiel auf dem neuen Rathaus und spielte es bis zur Einschmelzung 1943.

Seit 1938 trat die schriftstellerische Tätigkeit mehr in den Vordergrund mit einer Reihe von Gedichten, zwei Dramen und einem Roman. Während die früheren Arbeiten, zur Entspannung während weniger freier Stunden geschrieben, nicht für die öffentlichkeit bestimmt waren und wenn auch z. T. druckfertig, mit wenigen Ausnahmen nicht in Druck gegeben wurden, ist es bei den letzteren anders. So wurde das Schauspiel "Island" bereits angenommen, der Coppernikusroman "Die Ellipse" ist weit fortgeschritten und dürfte bei nicht zu starker Behinderung durch Kriegsumstände in ein bis zwei Jahren fertiggestellt sein."

in: Funk, Anton: Geschichte der Stadt Allenstein von 1348 bis 1943. Aalen: Scientia Verlag. 1992. 2. Neudruck der Ausgabe von 1955. S. 367


"Lallka, Lotzen, Wiersbau ...
Jugendherbergen von Stadtbaurat Zeroch
Zu den Beiträgen über die Jugendherberge "Lallka" (Folge 22 und Folge 28) möchte ich einiges zur Ergänzung mitteilen. Als Tochter des Architekten der Jugendherberge habe ich die Entstehung der Jugendherberge von Anfang an miterlebt.
Soweit ich mich erinnere, war es gar nicht so einfach, diesen Platz auf der Lallka für den Bau der Herberge zu kaufen. Es bedurfte vieler Fahrten, Bitten, Verhandlungen und Versprechungen, um dieses Fleckchen Erde zu erwerben.
Es ist eigentlich nur den Bemühungen von Fräulein Else Wölk, Dr. Günther, Dr. Skibbe und meinem Vater — diesen vier Allensteiner Idealisten und alten Wandervögeln — zu verdanken, daß dieser Plan verwirklicht werden konnte."

in: Das Ostpreußenblatt, Hrsg. v. Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Hamburg: Jahrgang 12 / Folge 34, 26. August 1961 / Seite 14. Briefe an das Ostpreußenblatt.


"Der aus Nordhausen stammende Dr. Friedrich Günther, seit 1919 in Allenstein an der Oberrealschule tätig, schrieb "Liebeslieder eines Narren" und einige Märchen. Er zog jedoch die politische Grenzlandarbeit der Schriftstellerei vor und schrieb, meist im Rahmen dieser Aufgabe Novellen und Bühnenstücke. Ab 1938 wurde er schriftstellerisch aktiver, schrieb Gedichte, Dramen und einen Roman "Die Ellipse" der um Coppernicus kreiste. Die Ergebnisse seines Schaffens gingen während des Zweiten Weltkrieges unter."

in: Das Ostpreußenblatt, Hrsg. v. Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Hamburg: Jahrgang 21 / Folge 40, 3. Oktober 1970 / Seite 9. Von Coppernicus bis heute. Entwurf zu einer Allensteiner Literaturgeschichte. Georg Hermanowski


"Der "A-C-I" (Dr. Günther) war 1919 an die Schule gekommen. Er war ein Lehrer mit vielen Interessen, konnte nicht nur sein Schülervolk fesseln und ihm etwas beibringen, sondern engagierte sich stark im Jugendherbergsverband Ostpreußen, der zu seinem Leidwesen 1937 „gleichgeschaltet“ wurde. Seinem Einfluss war nicht allein die Entstehung der schönsten Jugendherberge Südost-Preußens auf der Halbinsel Lallka im Landsker See zu verdanken (die der Stadtbaurat Zeroch entworfen hatte), sondern auch vieler anderer Jugendherbergen in Ostpreußen. Ebenso war er maßgeblich an der Initiierung des Glockenspiels im Turm des neuen Rathauses beteiligt, das er über Jahrzehnte hinweg an jedem Sonnabendabends und an Sonn- und Feiertagen mittags und abends spielte und die Begleitung zu den Liedern selbst setzte. Ein Festspiel zur Eröffnung einer geplanten (und dann doch nicht gebauten) Freilichtbühne am Tannenberg-Denkmal in Hohenstein und ein Koppernikus-Roman ("Die Ellipse" von seiner Tochter Traute Rothbart-Günther nach seinem Tode herausgegeben) stammen aus seiner Feder. –

Für ihn bezeichnend war, daß er nicht auf dem Katheder thronte, sondern, der Klasse zugewandt, auf dem Pult einer Schülerbank sitzend, lebendig unterrichtete. Seinen Deutschunterricht haben wir in der Oberstufe erst richtig schätzen gelernt und als er Ende des Krieges einmal schwer erkrankte, sammelte eine Klasse für ihn Buttermarken, damit er wieder schneller auf die Beine kommen konnte."

in: Vogelsang, Ernst: Die Koppernikus-Schule in Allenstein. Gelsenkirchen: Stadtgemeinschaft Allenstein e.V, Seiten 93, 955, Lehrer aus Sicht der Schüler.


In Lallka war die DJH
am Lansker See gelegen.
Mit Dr. Günther war‘n wir da
auf schönen Fahrradwegen.

in: Allensteiner Heimatbrief - Sommer 2008, Hrsg. Stadtgemeinschaft Allenstein e.V., Seite 29. Rund um Allenstein, Gedicht von Ernst Jahnke.


"Die Ellipse – Copernicus als Romanfigur. Von Friedrich Günther"

Der Autor des Romans, Dr. Friedrich Günther, 1883 in Nordhausen im Harz geboren, in Schweidnitz/Schlesien aufgewachsen, studierte in Berlin, Tübingen und Breslau Germanistik, Anglistik, Philosophie und Theologie. Ab 1919 unterrichtete er in seiner Wahlheimat Ostpreußen an der Coppernicus-Oberrealschule in Allenstein. Seine Freizeit widmete er neben seiner schriftstellerischen Arbeit dem kulturellen Leben der Stadt. Nach Flucht und Flüchtlingslager in Dänemark lebte er in Tübingen, wo er 1958 starb.
Seine Enkelin, Katjana Rothbart, hat den inzwischen vergriffenen Roman überarbeitet und beabsichtigt, die Neufassung herauszugeben. Hinweise zum Stand der Arbeiten sind unter www.kopernikus-rheticus.de zu finden.

in: Allensteiner Heimatbrief - Sommer 2013, Hrsg. Stadtgemeinschaft Allenstein e.V., Seite 17


"Dazu passen Auszüge aus dem Copernicus-Roman "Die Ellipse" von Friedrich Günther, dem früheren Lehrer an der Kopernikus-Schule in Allenstein. Seine Enkelin Katjana Rothbart hat den inzwischen vergriffenen Roman überarbeitet und beabsichtigt, eine gekürzte Neufassung herauszugeben. Ein Schüler des Studienrats Dr. F. Günther, Dr. Ernst Jahnke, lässt in seinen "Erinnerungen an Allenstein" noch einmal viele öffentliche Ereignisse auf politischem, gesellschaftlichem und vor allem sportlichen Gebiet lebendig werden."

in: Das Ostpreußenblatt, Hrsg. v. Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Hamburg: Jahrgang 2013 / Folge 26, 29. Juni 2013 / Seiten 18-19. Aus den Heimatkreisen - Neuer Heimatbrief. Gottfried Hufenbach


Von September 2010 bis zu seinem Tod am 28. Februar 2014 bestand ein Briefwechsel zwischen Dr. jur. Ernst Jahnke, seinem wohl letzten lebenden Schüler, und mir, der Enkelin. Einige Anmerkungen von Dr. Jahnke zu meinem mir leider unbekannten Großvater im Folgenden:

"Das hätte ich mir vor 70 Jahren auch nicht denken können, nach so langer Zeit noch einmal auf diese Weise mit meinem geschätzten Klassenlehrer in Verbindung zu kommen." Ihr verehrter Großvater war viele Jahre mein Klassenlehrer bis zum Abitur Ostern 1939.

"Der Kopernikus-Roman war nicht das einzige und auch nicht das erste Werk. Dr. Günther hatte schon früher zwei Bücher (ich glaube mit Erzählungen, vielleicht aber auch mit Gedichten) geschrieben, die er vor dem Druck jeweils einer Frau zur Illustration gegeben hatte. Beide Male starben diese Frauen, worauf Dr. Günther von einer Veröffentlichung abgesehen hat. So etwa hat er das jedenfalls erzählt, wie er auch bei der Behandlung unserer großen Dichter und Schriftsteller mitunter eigene Gedichte mit der Frage einflocht, von wem die wohl stammen konnten." ... "Dr. Günther war ja im Grunde seines Herzens ein Schriftsteller."

"Zu seinen vielen Interessen und Talenten, die auch Dr. Vogelsang mit Jugendherbergen und Glockenspiel erwähnte, kommt noch ein weiteres Gebiet, nämlich die Photographie. Es gab von ihm Allensteiner Ansichtskarten, die sich durch einen durchaus künstlerischen Gehalt auszeichneten."

Ihr Opa wurde offiziell nie Friedrich, sondern nur Fritz genannt; „für uns war er aber immer nur der "ACI". A.C.I steht für Akkusativ cum Infinitiv, "eine grammatikalische Regel, die so etwas wie ein Steckenpferd Ihres Opas gewesen sein muss."

Requiescant in pace

1945 - Flucht über das Haff

Am 21. Januar 1945 abends ½ 11 Uhr verließ ich mit meinen Angehörigen inmitten eines endlosen Stromes von Flüchtlingen, auf dem Futterwagen eines Trecks, bei Schneesturm und eisiger Kälte Allenstein, die Stadt, die mir mehr als zwanzig Jahr Heimat gewesen war, die also mein ganzes bisheriges Leben umschlossen hatte. Als wir den roten Schein der brennenden Stadt hinter uns versinken sahen, stieg wohl doch in vielen von uns die schmerzliche Ahnung auf, dass wir diese Stadt – obwohl wir immer noch die feste Überzeugung hatte, in einigen Wochen wieder hier zu sein – sehr lange, vielleicht nie wieder sehen würden.

Entgegen der Meldungen von „oben“ waren die Russen bis auf wenige km an die Stadt herangekommen, und als die – noch am Morgen des 21. amtlich ausgegebene – Parole „Keine Gefahr“, mittags plötzlich von dieser andere „Rette sich, wer kann“ abgelöst wurde, war die Panik unbeschreiblich, und als gegen Abend die Russen in die Stadt eindrangen, hatten fast 80% der Bevölkerung diese noch nicht verlassen.

Auf der Straße von Allenstein über Diwitten nach Guttstadt wälzte sich nun der endlose Strom derer vorwärts, die lieber alles hinter sich ließen, lieber alles unbeschreibliche Elend der Flucht auf sich nehmen wollten, als den Russen in die Hände zu fallen.

Diese erste Nacht der Flucht wird wohl unauslöschlich in mein Gedächtnis eingegraben bleiben.
Auf einem sehr langen, bis oben voll Heu geladenen Leiterwagen befanden sich 14 Personen zwischen 2 Kinderwagen und wohl 1 Dtz. Koffern mühsam balancierend, um nicht abzurutschen. Auf der vollkommen vereisten Chaussee rutschte und schleuderte der Wagen völlig haltlos hin und her, sodaß wir dauernd zwischen Angst und Entsetzen schwebend, uns aneinander anklammerten, wenn der Wagen sich jeden Augenblick zu überschlagen drohte, mit einem Rad bereits frei schwebend über einem Abhang hing, oder in den Straßengraben abzurutschen begann. Und so immer ein Wagen hinter dem anderen, endlos – dazwischen Frauen und Greise, kleine und kleinste Kinder, zu Fuß im hohen Schnee, mit und ohne Schlitten, und neben allem die nicht abreißende Kette von Militärautos, - meist auch bis oben voll mit Flüchtlingen – in rasender Fahrt an dem Menschenstrom vorbei, weg von der Front, weg, weg.

Schreie der vorbeifahrenden Verwundeten, Fluchen der Kutscher und das Jammern der mit ihren Wagen im Straßengraben Verunglückten bildete die Begleitmusik dieser Elendsfahrt.

Über alledem lag eine rabenschwarze, undurchdringliche Nacht, nur schwach erhellt von dem grauschimmernden Schnee und dem roten Brandschein am Horizont.

Ich stand die ganze Nacht ohne mich zu rühren, auf einem Fuß, halb über den Kinderwagen mit meinen beiden kleinen, vier Monate alten Zwillingen gebeugt, ihn mit meinem Mantel zudeckend, damit der eisige Schneesturm nicht eindringen konnte. Nach zwölfstündiger Fahrt langten wir in dem 24 km entfernten, völlig von Wagen und Flüchtlingen verstopften, Guttstadt an, wo ich wenigstens so viel Zeit fand, meine Kinder trocken zu legen und zu füttern. Dann gings wieder weiter, immer im Wettlauf mit dem Russen, der uns den einzigen noch freien Fluchtweg über Elbing abzuschneiden drohte. Zwei weitere Tage folgten, mit immer den gleichen Bildern, an denen ich kaum jemals die Möglichkeit hatte meine Kinder zu versorgen, da ja kein Wagen inmitten des Trecks anhalten oder aus der Reihe fahren konnte, ob einer starb oder sonst etwas geschah, war völlig gleich. Ein Wagen hinter dem anderen in endloser Reihe, zwischen endlosen weißen Feldern, an deren Rand die kahlen Bäume wie Gespenster standen, in schleichendem Schneckentempo oft ein zermürbendes Warten bei Stunden dauernden Stockungen, wo dann auch der letzte Laut im fallenden Schnee erstarb, verschluckt von der sich ringsum dehnenden weißen Unendlichkeit. Ich sehe meine kleine, kaum einjährige Nichte vor mir, wie sie im Sportwagen sitzend, von oben bis unten in eine Pelzjacke eingewickelt, ohne sich bewegen zu können, mit großen Augen, in denen schon das gefühlsmäßige Begreifen des Ernstes der Lage zu lesen war, in die für sie völlig neue Welt sah. Dann schneiten wir, da die Chaussee unter Fliegerbeschuß lag, in einem kleinen Dorf vor Braunsberg, Pilgramsdorf, ein, und saßen für 2 Wochen dort fest.

30 Personen, davon 11 Kinder in einem kleinen Raum auf Stroh, ohne Licht, ohne Telefon, von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten, nur wenige km von der HKL entfernt und jeden Augenblick in der Erwartung eines russischen Überfalles. Der ewige Strohstaub hatte eine scheinbar restlose Verstopfung der Lungen meiner beiden Kleinen zur Folge, die sich nachts in Stunden dauernden Erstickungsanfällen äußerten, eine entsetzliche Qual, ohne Licht, ohne Arzt, ohne Helfen-zu-können. –

Als die HKL zurückverlegt wurde, mussten wir innerhalb weniger Stunden das Dorf räumen und ins Ungewisse, in der Richtung aufs Haff zu, weiter fahren. Am Straßenrand standen immer wieder leere Kinderwagen, oder noch mit den toten Kindern darin, die die Frauen hatten stehenlassen müssen, da sie keine Möglichkeit hatten, sie zu begraben.

15 km vor Heiligenbeil starb meine Große, die sich von dem Husten grade wieder soweit erholt hatte, anscheinend durch eine innerliche Blutung im Kopf, hervorgerufen durch die Erschütterungen des mit Schlaglöchern übersäten Weges, und ich begrub sie allein, nur mit Hilfe einiger Soldaten, dort auf dem Friedhof.

Drei Tage später, am 15. Februar starb in Heiligenbeil selbst, im Krankenhaus, nach fünfstündigen vergeblichen Bemühungen mit Spritzen und Sauerstoffapparat, meine Kleine, wohl noch an den Folgen der Lungenverstopfung und ich begrub sie in einem Kistchen auf dem Friedhof. Beiden konnte ich noch ein Holzkreuzchen mit ihrem Namen aufs Grab stellen. –

Am nächsten Morgen mussten wir weiter über das grade noch tragende Eis des Haffes. Bei strahlendem Sonnenschein, ein Wagen hinter dem anderen, auf der blitzenden Eisfläche, ein willkommenes Ziel für die russischen Jagdflieger. Nach einer entsetzlichen, kalten Nacht auf dem Eis langten wir auf der Nehrung an und fuhren dort weiter bis Pillau, wo wir durch einen Glückszufall schon am nächsten Tag von einem Schiff nach Gotenhafen mitgenommen wurden.

Traute Speer, geb. Günther