Foto eines Feldwegs in Ostpreußen

Aus dem ursprünglichen Manuskript
Hörprobe 1
Hörprobe 2
Hörprobe 3
Hörprobe 4
Hörprobe 5
Hörprobe 6
Hörprobe 7
Hörprobe 8
Hörprobe 9

Leseprobe Anfang





Aus der überarbeiteten Fassung
Leseprobe Anfang

„Seht die Helle des Himmels! Im Halbjahr Nebel und Wolken, ein Vierteljahr Frost, daß das Haffeis kracht, die Hände verklammen, die Instrumente eigene Rechnungen aufmachen; ein Vierteljahr Sommer, die Nächte hell und voll Dunst. Was Ägypter und Italiker nicht vermochten, bei klarem Himmel, das soll ich hier machen? Wo mir's hier nicht einmal gelang, den Merkur zu erblicken! -

„Man sollte nicht darüber sprechen, aber man muß denken, wenn man oft hier oben sitzt. Und ich sitze gern hier oben bei den Glocken. Die Menschen unten wissen nur den Stall und das Vieh und ihr Geschäft. Aber hier oben ist die Erde größer, und man sieht weiter, und man muß überlegen. Seht, Herr, da drüben der Stern!“ er wies durch das Südfenster, „den kennt keiner da unten; denn er steigt nicht höher und geht wieder weg, und glänzt und funkelt doch so hell wie die hellsten dort oben. Ich weiß nicht, wie er heißt, aber ich muß denken, wenn der Turm höher wäre, müßten noch mehr kommen und immer mehr. Und vielleicht würde man sehen, woher sie kommen, und wohin sie gehen; denn es muß doch ein Anfang sein und ein Ende von allem, auch an Himmel und Erde; und wenn die Menschen hier fortgehen, müssen sie - “

Die Nacht war nach einem erneuten Regenguß ganz außergewöhnlich klar. Christiane hatte Augen wie ein Falke, und Kopernikus schlug vor, in der Frühe noch ein letztesmal den Merkur zu suchen. Nach den Nürnberger Tafeln mußte er im Bild der Zwillinge stehn.
Das leuchtete in der Dämmerung schon hell überm Wald, doch nichts war zu finden.
Das Städtchen unten lag dunkel, die Gassen schon grau; Frauen gingen zum Kanal, Wasser zu schöpfen. Wie ein Spielzeug das schiefgestellte Rathaus mit den Hakenbuden. Nur die Pfarrkirche mit ihrer Linde trug einen Schimmer des erwachenden Morgens.