Der "Rheticus" genannte Ritter von Lauchen hätte am 16. Februar 2014 seinen 500. Geburtstag feiern können und das wurde in seinem Geburtsort Feldkirch in Vorarlberg und auch in Wittenberg gebührend gefeiert; leider nicht in Leipzig. Gefeiert wird allerdings der 500. Geburtstag von Martin Luther, der an der Universität in Wittenberg lehrte, als Rheticus dort einen Studienplatz erhielt, promovierte und schon mit 22 Jahren Professor für Astronomie wurde.

Dieser Gelehrte namens Rheticus ist heute nur noch ein geläufiger Name für seine Fachkollegen: seiner zehnstelligen Tafeln der trigonometrischen Funktionen wegen. Es wäre aber keinesfalls abwegig, zu sagen, dass die Welt ihm auch die Kenntnis des heliozentrischen Weltbildes verdankt. Er war es schließlich, der den alternden Kopernikus bewegte, seine revolutionären astronomischen Erkenntnisse nicht nur endgültig zu formulieren; Rheticus war es auch, der diese Gedanken erstmals publizistisch publik machte und schließlich des Astronomen Hauptwerk in Nürnberg in den Druck beförderte.

Foto eines Häuschens in der Kirchgasse in Frauenburg Interview von n-tv mit dem Wissenschaftsphilosophen Martin Carrier am 21. Mai 2010. Ein Auszug:

Kopernikus selbst hatte lange Zeit mit der Veröffentlichung seiner Berechnungen gewartet. Warum? Eher aus religiösen Bedenken, weil er sich seiner Sache nicht sicher war oder gab es andere Gründe?

Religiöse Bedenken hatte Kopernikus nicht, obwohl er den Zorn der Theologen ahnte und fürchtete. Er war seiner Sache auch völlig sicher, hierin liegt nicht der Grund für sein Zögern. Vielmehr war das große Werk, das er der Welt vorlegen wollte, noch nicht fertig. Die Berechnungen gingen nicht gut auf; die Annahmen und die Beobachtungen passten an vielen Stellen schlecht zusammen. Kopernikus wollte erst mit einem restlos überzeugenden Werk an die Öffentlichkeit gehen, mit einer Theorie, die die Kritik der Zweifler und Gegner verstummen ließ. Dieses Ziel hatte er zu seinen Lebzeiten nie erreicht. Und hätte ihm nicht sein Schüler Georg Rheticus das Manuskript gewissermaßen aus der Hand gerissen, wäre das Buch sicher erst nach seinem Tod erschienen.

Warum klappte es aber so schlecht mit den Berechnungen? Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens fühlte sich Kopernikus verpflichtet, mit seiner Theorie allen bekannten Planetenbeobachtungen seit den Babyloniern Rechnung zu tragen. Viele dieser Beobachtungen waren aber grob fehlerhaft. Wenn er also die Theorie so zurechtschnitt, dass sie mit diesen falschen Daten im Einklang stand, dann geriet er dadurch oft mit anderen, korrekten Beobachtungen in Konflikt.

Der zweite Grund ist, dass Kopernikus Theorie in wesentlicher Hinsicht unzutreffend war. Die Annahmen der Zentralstellung der Sonne und der Planetenumläufe stimmten, aber ansonsten hielt Kopernikus an dem zentralen Prinzip der alten Astronomie fest, dass sich alle Himmelskörper gleichförmig auf Kreisbahnen bewegen. Tatsächlich bewegen sie sich ungleichförmig auf Ellipsenbahnen, wie aber erst Johannes Kepler mehr als 60 Jahre nach dem Tode des Kopernikus herausfand. Kopernikus lag also gewissermaßen unten und oben nicht ganz richtig, weder bei den Daten noch bei den Prinzipien, und deshalb passte beides nicht hundertprozentig zusammen.“

in "http://www.n-tv.de/wissen/Spaete-Ehrung-fuer-Kopernikus-article884245.html"





Zum 500. Geburtstag des Rheticus siehe auch

(Stand: 25. Oktober 2014):
Von Dr. Schöbi, dem Autor des Buches „Rheticus – Wegbereiter der Neuzeit“ wurde folgende Information übermittelt:
"Zunächst einmal möchte ich Sie darüber orientieren, dass nun auch die Stadt Wittenberg eine Jubiläumsveranstaltung zu Ehren von Georg Joachim Rheticus durchführen wird, nämlich am Freitag 24. Oktober 2014 . Dabei wird auch Wittenbergs Bürgermeister Torsten Zugehör anwesend sein, und den Festvortrag mit dem Titel „Rheticus – Zum 500. Geburtstag eines Universalgelehrten“ wird kein Geringerer halten als der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt höchstpersönlich, Herr Dr. Reiner Haseloff, ein Physiker von seiner Ausbildung her."
Siehe auch: http://ev-akademie-wittenberg.de/veranstaltung/rheticus-zum-500-geburtstag-eines-universalgelehrten

http://www.einmischen.brunhild-krueger.de/bke09-wissenschaft/bke09r_rheticus.html

http://www.rheticus.com/archiv/berichte-2014/73-presse-zum-500-geburtstag-von-georg-joachim-rheticus

http://www.feldkirch.at/stadt/bildung-kultur/rheticus-jahr-2014

(Stand: 18. Februar 2014):
http://www.wochenspiegel-web.de/wisl_s-cms/_wochenspiegel/7459/Wittenberg/38841/Rheticus__Das_verkannte_Genie.html

http://derstandard.at/1389860246242/Der-erste-Kopernikaner-kam-aus-Vorarlberg

http://www.focus.de/wissen/mensch/gastkolumnen/buelow/500-jahre-kopernikanisches-weltbild_id_3514575.html

(Stand: 7. Februar 2014):
http://www.einmischen.brunhild-krueger.de/bke09-wissenschaft/bke09r_rheticus.html#Rande

(Stand: 29. Dezember 2013):
http://www.feldkirch.at/stadt/bildung-kultur/rheticus-jahr-2014/ohne-rheticus-kein-kopernikus

http://www.feldkirch.at/stadt/bildung-kultur/rheticus-jahr-2014

http://www.rheticus.com/index.php/archiv/berichte-2013/66-2014-steht-in-feldkirch-im-zeichen-des-humanismus